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Der steinige Weg des Klimaschutzmonitorings

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Entstehungsgeschichte unserer Handlungsempfehlungen
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Ausbau von Solarenergie in Marburg
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Marburger Klima-Aktivist:innen, Stadtverwaltung und Akteur:innen aus der Solarwirtschaft arbeiten im engem Austasuch an einem schnellen Ausbau von Photovoltaik. Um den Erfolg solcher Klimaschutzmaßnahmen messen zu können, braucht es jedoch ein effektives Klimaschutzmonitoring. Foto: Lauren McKown
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Thomas Kopp ist von Hause aus Ingenieur und seit 2021 Energieberater im Fachdienst Umwelt, Klima- und Naturschutz der Stadt Marburg. Ihn hat an der Stelle gereizt, dass sich die Stadt zum Ziel gesetzt hat, bis 2030 klimaneutral zu werden. Dabei sieht er die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen (THG) und Klimaschutzmonitoring als zentrale Instrumente einer Klimareduktionsstrategie. Sie lassen Erfolge erkennen und können diese sichtbar machen. Sie bilden eine zentrale Grundlage zur Anpassung der kommunalen Reduktionsstrategien, und helfen, weitere lokale Akteure für Klimaschutzstrategien zu mobilisieren.
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Zahlreiche Hindernisse...
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Doch stößt Herr Kopp, ähnlich wie viele andere Kommunen in Deutschland, auf viele Hürden bei dem Versuch, ein effektives Klimaschutzmonitoring für die Stadt aufzubauen. Das erste Hindernis ist die Beschaffung von Daten.

In Frankreich sind Kommunen mit über 50.000 Einwohner:innen bereits seit 2012, Gemeindeverbände mit über 20.000 Einwohner:innen seit 2020 dazu verpflichtet. Hierfür gibt es in fast allen Régions regionale Agenturen und Beobachtungsstellen für Energie und Umwelt, die das Sammeln von Daten und ihre Verarbeitung begleiten. Dennoch fehlt es auch in Frankreich noch an Zugang zu verlässlichen, gereinigten und regelmäßig aktualisierten Daten, sowie an Modellen, die die Wirkungen der Klimaschutzmaßnahmen auf lokaler Ebene nachverfolgen können.

 

Zweites Hindernis sind die Bilanzierungsstandards. So schließt der Bisko Standard in Deutschland momentan noch die Bereiche Verkehr und Konsum aus, in denen jedoch viel CO2 produziert wird. In Frankreich sind sie hier schon einen Schritt weiter. Dort wurde Scope 3 als Standard eingeführt welcher nicht nur direkte Emissionen, sondern eben auch indirekte Emissionen, die z.B. zur Erstellung und dem Transport eines Produktes benötigt werden, miteinbezieht.

Drittens fehlen den Kommunen oftmals die Kapazitäten und Kompetenzen, um Messungen durchzuführen. In Deutschland und Frankreich ist hier großer Bedarf an gezielter Unterstützung. Zwar hat sich Thomas Kopp in Marburg nun selbst auf den Weg gemacht, um die Daten zu besorgen und Messungssysteme in der Stadt einzurichten, die meisten Kommunen beider Länder werden dazu ohne zusätzliche Unterstützung jedoch keine Kapazitäten haben.

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„Eine unserer größten Herausforderungen bei der Bilanzierung ist die Beschaffung und Qualität von Daten. Und natürlich ihre Aktualität. Bis wir als Kommune die Daten von der für uns zuständigen Arbeitsgruppe „Mittelhessen“ bereitgestellt bekommen, können sie 2-3 Jahre alt sein. […] Wenn wir die Bilanzierung als Tool für die Messung des kommunalen Klimaschutzes anwenden möchten, sehen wir uns gezwungen, selbst die Daten, teilweise kostenpflichtig, zu beschaffen.““

Nadine Bernshausen, Bürgermeisterin und Klimadezernentin, Universitätsstadt Marburg

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… und Lösungsvorschläge
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Im Rahmen des Resonanzraums haben sich Akteur:innen aus den Kommunen sowie Expert:innen aus Zivilgesellschaft und Verwaltung in Frankreich und Deutschland zu den lokalen Herausforderungen der Klimabilanzierung ausgetauscht. Es wurde deutlich, dass die Kommunen die Herausforderungen nicht alleine lösen können und dass es – besonders in Deutschland, aber auch noch in Frankreich – einer intensiven nationalen Intervention bedarf. Den nationalen Regierungen kommt dies auch zugute, denn um ihre nationalen Emissionsreduktionsziele zu erreichen, sind sie auf lokale Reduktionen und dementsprechend deren Messung angewiesen.

Daher empfiehlt das Deutsch-Französische Zukunftswerk den Regierungen in Deutschland und Frankreich ihre Bemühungen um ein effektives kommunales Klimaschutzmonitoring und dessen Integration in die nationale Bilanzierung erheblich zu intensivieren.

Dazu unterbreitet das Zukunftswerk ganz konkrete Aktionsvorschläge. Kommunen benötigen einheitliche Standards, Modelle, und Methoden sowie nutzbare Daten, die sie dazu befähigen, eigene Ziele zu setzen und ihren Fortschritt zu messen.

Ein Aktionsvorschlag empfiehlt den nationalen Regierungen im Rahmen ihrer Gesetzgebungskompetenzen sicherzustellen, dass entsprechende Daten, auch von privaten Akteuren z.B. von Netzbetreibern, zur Verfügung gestellt und in aufgearbeiteter Form zeitnah für die öffentliche Hand verfügbar gemacht werden.

Der französischen Regierung empfiehlt das Zukunftswerk die bereits existierenden regionalen Agenturen und Beobachtungsstellen zu stärken, vor allem in ihrer Kapazität für die Aufbereitung, Verarbeitung und Analyse von Daten nicht nur auf regionaler, sondern auch auf der Ebene der Kommunen. Der deutschen Regierung empfiehlt das Zukunftswerk, regionale Beobachtungsstellen nach französischem Vorbild in Deutschland zur Sammlung von Daten, Begleitung und Beratung der Kommunen einzurichten.

Die deutsche Bundesregierung sollte darüber hinaus bestehende Bilanzierungsziele, -instrumente und -methoden grundlegend und weitreichend überarbeiten (insbesondere den BISKO-Standard), um eine wirkungsorientierte und regionalisierte Aussagekraft zu erzielen. Dies beinhaltet unter anderem die Berücksichtigung nicht nur von THG-Emissionen, sondern auch von Kohlenstoffsenken sowie die Ausweitung der Bilanzierung auf Scope 3, welche in Frankreich bereits erfolgt ist. Die so gestärkten kommunalen und regionalen Bilanzen sollten in eine öffentlich einsehbare nationale Übersicht zum Zustand des Klimaschutzes in den Regionen eingefüttert werden.

Ein Blick in andere europäische Länder wie z.B. Norwegen oder Großbritannien, zeigt, dass es durchaus möglich ist, dass die nationalen Regierungen durch Bilanzierungsmethoden und leicht zugängliche Daten den Kommunen ermöglichen, ihre Einsparungen selbst nachzuverfolgen, und ihre Bemühungen um Kohlenstoffsenken darzustellen. Wenn wir die ökologische Transformation in Deutschland und Frankreich beschleunigen wollen, ist dies unabdingbar.

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Schema Recommandation 2 Suivi émissions GES
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Zwar gibt es auf nationaler und europäischer Ebene bereits zahlreiche Maßnahmen, um Treibhausgasemissionen zu reduzieren, dennoch mangelt es auf lokaler Ebene noch an effektivem Klimaschutzmonitoring. Problematisch sind fehlende Instrumente zur Messung lokaler Emissionen und Bilanzierung von Maßnahmen, sowie uneinheitliche Methoden, die das Aggregieren von Daten verhindern.
Foto: EnergieAgentur.NRW