Nachhaltige Stadtplanung im großen Stil umsetzen: Lyon setzt auf kollektive Intelligenz

Ville / Stadt
Lyon
Thème(s) / Themen
Klimawandel
Klimaneutralität
nachhaltiges Bauen
Verkehrsberuhigung
Begrünung
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carte de l'Europe
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NMO
Fr., 21.10.2022 - 14:57
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 Lyon
Légende
Foto von Lyon I Foto: Urheberrechtsfrei
Accroche / Aufhänger
Nur wenige französische Städte engagieren sich so massiv für die Reduzierung ihres CO2-Fußabdrucks: Die Stadt Lyon widmet ein Drittel ihres mehrjährigen Investitionsplans dem ökologischen Wandel. „Der Ehrgeiz ist der Herausforderung angemessen und wir werden alle Energien brauchen, um sie zu meistern“, so der Bürgermeister Grégory Doucet.
Date de publication / Veröffentlichungsdatum
01.10.2022
Einwohner
522.969 (2019), Metropolregion: 1,4 Mio.
Region
Auvergne-Rhône-Alpes
Ziele
Klimaneutralität bis 2030, Steigerung der Lebensqualität, Anpassung an den Klimawandel, Mobilitätswende
Contenu / Inhalt
Titre / Titel

Was Lyon als Initiative auszeichnet

Texte d'introduction / Einleitungstext

2022 hat sich die Stadt zur Teilnahme am Programm 100 klimaneutrale und intelligente Städte qualifiziert. Die Europäische Kommission unterstützt mit dem Projekt besonders ambitionierte Städte dabei, bis 2030 klimaneutral zu werden.

In Lyon bildet die Stadt- und Architekturcharta den Rahmen für alle Bau-, Sanierungs- und Stadtentwicklungsprojekte. Dieser gemeinsame Rahmen soll es der Stadt ermöglichen, ihr Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Ein Rückblick auf den Kontext der kollektiven Erarbeitung dieser Charta, die wesentlich zu ihrem Erfolg beigetragen hat.

Accordéons
Titel
Mit ko-konstruierter Charta an einem Strang ziehen
Description / beschreibung

Durch Renovierungsmaßnahmen bestehender Bausubstanz, beispielsweise im Bahnhofsquartier Part-Dieu, versucht Lyon bereits, seine Emissionen zu reduzieren. Ohne die Unterstützung aller Akteur:innen kann die Stadt jedoch nicht CO2-neutral werden. Nur wenn Architekt:innen, Bauträger:innen, Vermieter:innen, Eigentümer:innen und Akteur:innen aus der Immobilien- und Baubranche an einem Strang ziehen, kann die ökologische Transformation beschleunigt werden. Aus deren Kooperation mit der Stadt ist im Jahr 2021 ein neuer Rahmen für die Stadtplanung in Lyon entstanden: Die ko-kreativ erarbeitete Charta für städtebauliche und architektonische Qualität. Sie ist ein echtes Instrument für den Dialog zwischen Projektträgern und der Stadt und führt dazu, dass Bauprojekte bereits in der Planungsphase begleitet werden, um ökologische Aspekte mitzudenken und Umweltstandards zu erfüllen.

Die Charta ist rechtlich nicht bindend, dient aber als gemeinsamer Bezugsrahmen für alle Akteur:innen, die an der Stadtentwicklung beteiligt sind. Sie legt ihren Schwerpunkt auf die Entwicklung der Natur und Biodiversität in der Stadt, die Verringerung der CO2-Belastung der Gebäude, die Qualität der Stadträume, die hochwertige Gestaltung von Wohn- und Arbeitsräumen und transparente Planungsprozesse. „Bauen heißt nicht Betonieren. Bauen bedeutet, sich im Kampf gegen die globale Erwärmung zu engagieren"[1], so fasst es Raphaël Michaud, Beigeordneter des Oberbürgermeister von Lyon und zuständig für Stadtplanung, Wohnungsbau und Raumplanung, zusammen. (Quelle: www.lesechos.fr)

 

[1] « Construire ce n'est pas bétonner, c'est engager nos territoires dans la lutte contre le réchauffement climatique »

Titel
„La Confluence“: Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen und eine neue Mobilität
Description / beschreibung

Trotz seiner zentralen Lage auf der Lyoner Halbinsel diente das Viertel Confluence im 19. Jahrhundert als Lager- und Umschlagplatz für Güter und beherbergte den Großmarkt der Stadt, die kommunalen Schlachtbetriebe und Gefängnisse. Heute ist Confluence ein etwa 150 Hektar großes Experimentierfeld für nachhaltige Architektur im Süden der Halbinsel und Inspiration für Stadtentwicklungsprojekte weltweit: Gebäude wurden teilweise mit Holzstrukturen und aus recycelten Baumaterialien entwickelt, Sonnenkollektoren produzieren Energie und es wird mit kollektiven Anlagen ökologisch geheizt, um den Energieverbrauch zu senken. Neubauten übersteigen daher sogar die Anforderungen, die das Label Bâtiments à Énergie Positive et Réduction Carbone (Energie-Plus-Haus) stellt.

Verschiedene Infrastrukturmaßnahmen sollen dazu führen, dass Natur und Mensch sich die öffentlichen Räume wieder aneignen: Auf der Halbinsel soll ein Stadtwald entstehen und eine neue Tramlinie bindet das Viertel gut an den öffentlichen Nahverkehr und die Innenstadt an. Um die Bewohner:innen zu einem autofreien Alltag zu motivieren, werden Parkplatznormen bis zur untersten Grenze ausgereizt. Lyon tut viel dafür, damit das Viertel grüner, ruhiger und vor allem kinderfreundlicher wird. Doch die Schattenseite der ökologischen Umgestaltung des Viertels sind hohe Mietpreise und Gentrifizierung: viele ehemalige Bewohner:innen wurden in außenliegende Stadtteile verdrängt, und die Stadt muss sich der Herausforderung stellen, nicht nur  grüneren und nachhaltigeren Wohnraum zu schaffen, sondern auch bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen.

Titre / Titel

Die Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischen Zukunftswerk

Texte d'introduction / Einleitungstext

Die Innovationskraft und der Ehrgeiz Lyons ist Inspiration für uns und unser Netzwerk. Wie gelingt es der Stadt und der Metropolregion, die sozial-ökologische Transformation voranzutreiben? Wie bekommt man verschiedene Interessenvertreter:innen an einen Tisch, um ambitionierte Standards für nachhaltiges Bauen und Renovieren zu schaffen? Wie kann eine lokale Mobilitätswende beschleunigt werden? Und was muss angesichts hoher Mieten und Verdrängungsprozesse getan werden, um die ökologische Transformation eines Viertels auch sozial gerecht zu gestalten?

Titre / Titel

Mehr erfahren über Lyon

Texte d'introduction / Einleitungstext

Wirtschaftlicher Kontext:

Die Stadt Lyon ist einer der wichtigsten und attraktivsten Wirtschaftsstandorte Frankreichs. Die Metropolregion ist nach Paris das zweitgrößte Wirtschaftszentrum des Landes. Ursprünglich stark von der Textil- und Chemieindustrie geprägt, hat sich die Metropole aufgrund der Handels- und Finanztätigkeiten erheblich fortentwickelt.

Politischer Kontext:

Seit 2020 wird die Stadt Lyon von dem grünen Bürgermeister Grégory Doucet regiert. Er löste Gérard Collomb von der Parti socialiste (Sozialistische Partei) ab. Auch die Regierung der Metropolregion Lyon wird seit 2020 von den grünen „Ecologistes“ gestellt.

Chronologie der Charta für städtebauliche und architektonische Qualität:

2006: Gemeinsame Entwicklung der Charta für städtebauliche und architektonische Qualität

2021: Eine aktualisierte Charta setzt neue Standards zugunsten der Nachhaltigkeit

Chronologie des Stadtviertels La Confluence:

1995: Ehemaliger Bürgermeister von Lyon Raymond Barre initiiert das Projekt

2003: Beginn Bauarbeiten

2003-2015: Die Einwohner:innenzahl steigt von 3.000 auf 10.000

2005: Einweihung der Straßenbahnlinie T1

2015: Fertigstellung der Wohnanlage Hikari, die als erste mehr Strom erzeugt als sie verbraucht

2025: Geplanter Abschluss der Umgestaltungsmaßnahmen

Titre de la galerie / Galerietitel

Lyon in Bildern

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Mehrstöckige, hell verputzte Wohnhäuser mit orangeroten Verzierungen und einem großen, detailreichen Wandgemälde an der Fassade, sind umrahmt von einem kahlen Baum
Fresques et éléments patrimoniaux de la résidence du Clos Jouve DE
Légende
Fresken in der Wohnsiedlung Clos Jouve | Foto: Deutsch-Französisches Zukunftswerk/Arthur Frantz
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Flussufer mit historischen Gebäuden im Sonnenaufgang
Lever de soleil sur les rives du Rhône DE
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Sonnenaufgang am Rhôneufer | Foto: Deutsch-Französisches Zukunftswerk/Arthur Frantz
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Mehrstöckige Wohngebäude mit Erdgeschoss-Läden, darunter eine Bäckerei mit der Aufschrift "Patisserie Pains", hinter einer grünen Absperrung
La Résidence du Clos Jouve DE
Légende
Die Wohnsiedlung Clos Jouve | Foto: Deutsch-Französisches Zukunftswerk/Arthur Frantz
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Blick auf eine mit Solarpaneelen bedecktes Flachdach und dahinter ein Wohnviertel im Abendlicht, mit Hochhäusern
Toiture solarisée de la halle d’athlétisme Stéphane Diagana, quartier de la Duchère, Lyon DE
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Solardach der Sporthalle Stéphane Diagana im Stadtteil La Duchère | Foto: Deutsch-Französisches Zukunftswerk/Arthur Frantz
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Schmale Straße, gesäumt von mehrstöckigen, farbenfrohen Altbauhäusern, mit Kopfsteinpflaster und einer klassischen Straßenlaterne
Bâtiments à forte valeur patrimoniale dans le quartier du Vieux Lyon DE
Légende
Denkmalgeschütze Gebäude im Viertel Vieux Lyon | Foto: Deutsch-Französisches Zukunftswerk/Arthur Frantz