PHOTOVOICE-AKTION in Marburg: Alle Bürger*innen sind gefragt!

Was ist ein Photovoice?

Photovoice ist eine partizipative Methode der Aktionsforschung, die es den Teilnehmer*innen ermöglicht, direkt zur Forschung beizutragen, indem sie direkt vor Ort mitwirken und selbst Forschungsdaten erzeugen. Die Teilnehmer*innen werden aufgefordert, Fragen mit Hilfe eines Fotos zu beantworten. Diese Methode ermöglicht es uns, die Herausforderungen und Erwartungen der Teilnehmer*innen in Bezug auf eine bestimmte Frage zu identifizieren. Photovoice gibt den Teilnehmer*innen die Möglichkeit, individuell oder gemeinsam über Entwicklungsfragen nachzudenken, die ihre Gemeinde betreffen.

Das Deutsch-Französische Zukunftswerk initiiert in Marburg eine Photovoice Aktion mit dem Ziel, die Stimme jede/jeder Bürger*in zu hören. Ziel der Aktion ist es, den Bewohner*innen der Stadt ein Forum zu bieten, in dem sie ihre Ideen und Wahrnehmungen über die Zukunft ihrer Stadt, insbesondere ihres Viertels, teilen können. Wir möchten lernen zu verstehen, wie verschiedene Akteur*innen den Begriff der Klimaneutralität mit Leben erfüllen, welche Rolle sie für sich in der Mitgestaltung sehen, mit wem sie zusammenarbeiten, welche Unterstützung sie dafür brauchen. Anschließend möchten wir für diese Erkenntnisse eine Öffentlichkeit herstellen.

Hier die Fragen, die wir zur Beantwortung durch Bildaufnahmen vorschlagen:

„Wie sieht für mich eine klimaneutrale Stadt Marburg aus, in der ich gern leben würde?

Wen brauchen wir in der Nachbarschaft, um dies in die Tat umzusetzen?“

Überblick

« Un nouvel usage imaginé pour une boutique vacante dans la métropole de Lille » © Strategic DesignScénarios

Bis wann?

Die Teilnehmer*innen haben bis zum 31. Juli Zeit, ihre Beiträge sowie alle Einverständniserklärungen einzusenden. Die Beiträge werden im Laufe des Monats August gesichtet und eine Auswahl im September öffentlich ausgestellt.

Was ist konkret zu tun?

Konkret werden die Teilnehmer*innen gebeten, die beiden obenstehenden Fragen durch ein oder mehrere Fotos zu beantworten. Um zu erklären, warum sie sich für bestimmte Gestaltungsmerkmale auf den Fotos entschieden haben, schreiben die Teilnehmer*innen ein oder zwei erklärende Sätze auf ihr(e) Foto(s) und/oder sie integrieren ein „fehlendes“ Merkmal nachträglich mit einem digitalen Werkzeug (z.B. Paint auf dem Computer oder Fotoeditor auf dem Smartphone) in die Aufnahme. Diese Aktion erfordert ein individuelles oder gemeinsames Nachdenken über das Thema und die gestellten Fragen, bevor ausgewählt wird, was fotografiert werden soll.

Was kann fotografiert werden?

Orte, Menschen, Objekte und Gegenstände, Alltagsroutinen, Lebensweisen, Gewohnheiten, Wohnorte, Infrastrukturen… Es gibt unzählige Möglichkeiten!

Was bringt das?

Die Ergebnisse des Photovoice dienen mehreren Zwecken: Zum einen werden einige der Beiträge im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung gezeigt, um eine Öffentlichkeit für die Themen der Teilnehmer*innen zu schaffen; zum anderen werden die eingereichten Daten von unseren Forscher*innen ausgewertet und ermöglichen es uns, zu verstehen, wie die Marburger*innen das Konzept der Klimaneutralität mit Leben füllen und welche Rolle sie selbst einnehmen wollen, um Klimaneutralität zu erreichen; außerdem werden die Ergebnisse dieser Forschung mit der Stadtverwaltung geteilt, um einen tieferen Austausch mit den Bürger*innen zum Thema Klimaneutralität zu ermöglichen.

Wie nimmt man teil?

  • Die Teilnahmebedingungen

Um am Photovoice teilnehmen zu können, sollte man in Marburg oder der direkten Umgebung leben. Minderjährige müssen eine unterschriebene Einwilligung des/der gesetzlichen Vertreter*in beim Zukunftswerk einreichen (s. Unterlagen 1).

Die Teilnehmer*innen sollen ein allgemeines Verständnis für das Projekt sowie Interesse an dem vorgeschlagenen Thema haben. Bei Rückfragen melden Sie sich gern bei photovoice.marburg@df-zukunftswerk.eu.

Die Teilnehmer*innen müssen bereit sein, ihren Beitrag mit den Forscher*innen zu teilen, in anonymisierter Form auch mit einem breiteren Publikum.

Werden Personen fotografiert, muss der/die Teilnehmer*in von diesen eine Einverständniserklärung (s. Unterlagen 2) über das Recht zur Nutzung ihres Bildes mit Unterschrift einholen. Der/die Teilnehmer *in muss daher mindestens zwei Exemplare der Einverständniserklärung bei sich haben, eines für die fotografierte Person und das andere, das er/sie gemeinsam mit seinem/ihren Beitrag beim Zukunftswerk einreicht.

Bei jedem Beitrag müssen die Teilnehmer*innen die Adresse des fotografierten Ortes eindeutig angeben.

Es werden ausschließlich Beiträge angenommen, die digital mit dem ausgefüllten, unterschriebenen Anmeldeformular und den notwendigen Unterlagen eingereicht werden. Die Teilnehmer*innen können ebenso gut mit einer Kamera wie mit einem Smartphone fotografieren.

Eine Auflösung von mindestens 5 Megapixel wird gebeten, damit die Bilder verwendet werden können.

Sensible Themen, die die Privatsphäre von Erwachsenen und Kindern stören, die persönliche Würde einschränken, Fotos von illegalen Aktivitäten oder Aufnahmen, die Personen in negativer Weise darstellen, müssen alle auf ethische Weise gehandhabt werden. Die Teilnehmer*innen verpflichten sich, Dritte über das Projekt und über die mögliche Nutzung der Bilder im öffentlichen Raum zu informieren.

Die Teilnehmer senden ausschließlich ihren Beitrag an :

Beispiel
« Un nouvel usage imaginé pour une boutique vacante dans la métropole de Lille / Photo Strategic Design Scénarios »

TIPPS FÜR TEILNEHMER*INNEN

Fotografieren – Ratschläge für ein gutes Foto

Ein gutes Foto zeichnet sich sowohl durch das Motiv als auch durch die erzielte Wirkung aus. Diese kann verstärkt werden, wenn einige Prinzipien der Fotografie beachtet werden:

  • Die Perspektive: spielen Sie damit!
    • Die Normalperspektive, auch Zentralperspektive genannt, erreichen Sie dadurch, dass Sie ein Motiv auf „Augenhöhe“ fotografieren. Bei Gebäuden und Landschaften bedeutet das, dass Sie einfach die Kamera vor Ihr Gesicht heben und fotografieren.
    • Die Vogelperspektive wird aus einer erhöhten Perspektive aufgenommen. Durch sie wirken Motive klein und möglicherweise gestaucht. Es entsteht leicht der Eindruck, als wäre „von oben herab“ fotografiert worden. Je nachdem, ob es zu Ihrer Bildaussage passt oder nicht, können Sie diese Perspektive bewusst einsetzen. Die Vogelperspektive kann auch ein gewisses Gefühl von „Freiheit“ bei der/dem Betrachter*in bewirken.
    • Unter der Froschperspektive versteht man alles, das unterhalb der normalen Augenhöhe aufgenommen wird. Sie bewirkt, dass Gegenstände langgezogen und groß wirken. So kann im Extremfall ein kleines Haus aus der Froschperspektive fotografiert wie ein riesiger Wolkenkratzer wirken. Eine weitere Wirkung der Froschperspektive ist, dass das Motiv erhaben, dominant oder gar bedrohlich wirkt. Auch diesen Effekt können Sie kreativ einsetzen.
Normalperspektive
Vogelperspektive
Froschperspektive
  • Die Beleuchtung: achten Sie darauf, woher das Licht kommt!
    • Von vorn oder von der Seite, ist es Gegenlicht oder Streiflicht? Je nach Einstrahlung wird sich das Licht anders auf das fotografierte Objekt auswirken und kann Ihnen helfen, den Fokus auf einen bestimmten Teil des Fotos zu lenken.
Beleuchtung
  • Die Balance: Ein Bild ist ausgewogen, wenn die Motivbereiche die Aufmerksamkeit des/der Betrachter*in gleichermaßen auf sich ziehen. Sie wird durch Verschieben des Rahmens und das Nebeneinanderstellen von Motiven innerhalb des Rahmens erreicht, sodass Objekte, Töne und Farben das gleiche visuelle Gewicht haben.
Balance
  • Der Kontrast: In der Fotografie versteht man darunter vor allem Unterschiede in Helligkeit oder Farbe innerhalb des Bildes. Kontraste entstehen zwischen hell und dunkel, aber auch zwischen Farben, z. B. zwei komplementären Farben oder zwischen kalten und warmen Farben. Kontrast ist eines der wichtigsten Stilmittel in der Fotografie. Er kann den Effekt eines Bildes komplett verändern. Dafür lässt er sich nicht nur verstärken, sondern auch reduzieren. In der Fotografie kann man den Kontrast auch aus Strukturen entstehen lassen (z. B. Materialien, Texturen).
Kontrast
  • Die Komposition: Darunter versteht man die künstlerische Anordnung von Elementen innerhalb eines Bildausschnittes, um bestimmte Wirkungen bei der*dem Betrachter*in zu erzielen. Das Auge des/der Betrachter*in tastet jedes Bild ab und wird dabei von bestimmten Elementen mehr angezogen als von anderen. Genau das macht man sich bei der Bildkomposition zu Nutze. Spielen Sie mit der Anordnung der im Motiv sichtbaren Elemente und sehen Sie, wie es sich dadurch verändert.
Komposition