Zeitz & Hohenmölsen

Burgenlandkreis

Ziel der Zusammenarbeit

In den 1990er Jahren erlebte der Burgenlandkreis – durch die Stilllegung zahlreicher Veredlungs- und Verarbeitungsbetriebe der Braunkohleindustrie und anderer Wirtschaftszweige – bereits einen ersten einschneidenden wirtschaftlichen und sozialen Strukturwandel. Nun steht die Region vor einem zweiten Strukturwandel, den wir gemeinsam untersuchen und verstehen möchten.

Ziel unserer Zusammenarbeit ist es, aus der Perspektive der lokalen und regionalen  Akteur*innen heraus, Hebel und Wege für die mit dem Strukturwandel im Zusammenhang stehende Resilienz zu identifizieren. Dabei beleuchten wir die folgenden zentralen Fragen: Wie begreifen lokale und regionale Akteur*innen ‘Resilienz’ und wie gehen sie diese Prozesse an? Welche Auswirkungen hatte und hat der ‘Strukturbruch’ der 90er Jahre auf die Ansichten und Lebenswelten von Menschen in der Region? Welche neuen Herausforderungen verbinden die Menschen mit dem aktuellen Strukturwandel? Damit ist der deutschlandweite Kohleausstieg bis 2038 – in der Region selbst sogar bis 2035 – die damit einhergehende Stilllegung des MIBRAG-Tagebaus Profen und das Aus begleitender Industriezweige gemeint. Wie stellen sich die Bürger*innen die Zukunft ihrer Region vor? Was sind wesentliche Hebel und Wege, den Hauptproblemen wie der Abwanderung von erwerbsfähigen Menschen und Familien sowie dem Verlust von Arbeitsplätzen entgegenzuwirken?

Zeitz
Hohenmölsen

Im 19. Jahrhundert entwickelt sich Zeitz zur Industriestadt. Sie wird unter anderem als Zentrum der deutschen Kinderwagenindustrie, des Maschinen- und Klavierbaus bekannt. Viele dieser Betriebe wurden nach 1990 geschlossen. Inzwischen konnten einige der ehemaligen Betriebsstandorte neu belebt und so neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Stadt ist zugleich jedoch stark von Überalterung und Wohnleerstand betroffen. Außerdem steht die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) – ein langjähriger, wichtiger Arbeitgeber der Region – vor großen strukturellen Herausforderungen.

Steckbrief

  • 27.917 (Zeitz), 9.611 (Hohenmölsen)
  • Sachsen-Anhalt, 40 km südl. von Leipzig
  • Resilienz
  • Strukturwandel
  • Integrierte Stadtentwicklungskonzepte (ISEK)
  • 2020 - 2035

Zahlen und Fakten

Seit 1989 stieg im Zuge der Deindustrialisierung die Abwanderung in beiden Städten: In Hohenmölsen nahm die Bevölkerung von 2011 bis 2018 um 6,6 % ab. Besonders hoch ist der dortige Bevölkerungsrückgang in den eingemeindeten Ortschaften, in denen keine oder unzureichende Angebote zur allgemeinen Daseinsvorsorge bestehen. Dies führt zu einem wachsenden Wohnungsleerstand. In Zeitz gab es 2019 circa 5.000 leerstehende Wohnungen. Das entspricht 23 % des Stadtgebiets. 44 % der Wohnungen in der Zeitzer Altstadt sind derzeit unbewohnt. Wir erwarten, dass sich dieser Trend bis 2030 verstärkt.

Gleichzeitig erwarten wir, dass sich der Trend der Überalterung im Landkreis Zeitz und Hohenmölsen fortsetzt. Besonders die bis 2038 anvisierte Braunkohleverstromung wird die Region treffen. Der MIBRAG-Tagebau Profen bleibt voraussichtlich noch bis 2035 in Betrieb. Doch der jahrzehntelang intensiv betriebene Bergbau hinterlässt zahlreiche Altlasten. Auch diese erfordern weiterhin umfangreiche Sanierungs- und Rekultivierungsmaßnahmen.

Bürgerschaftliche Dimension

Das Zusammenwirken relevanter lokaler und regionaler Akteur*innen ist unerlässlich. Indem wir Landkreise, Gemeinden, zivilgesellschaftliche Organisationen und Bürger*innen in einen partizipativen Planungsprozess einbeziehen, möchten wir zu einer positiven Gestaltung von Strukturwandel in der Region beitragen. Auch die vorliegenden Integrierten Stadtentwicklungskonzepte (ISEK) und Leitbilder entstanden im Bottom-up-Ansatz, unter Beteiligung von Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft. Dieser Entwicklungsprozess umfasste unter anderem Sitzungen und Workshops sowie eine öffentliche Entwurfsauslage. 

Im April 2019 bot die dreitägige Öffentlichkeitsveranstaltung „Schaufenster Stadtentwicklung“ in Zeitz allen Bürger*innen die Möglichkeit, sich am ISEK 2035 zu beteiligen und eigene Perspektiven einzubringen.

Ambitionen und Ziele des ISEK

Wohnen

Gut wohnen mit weniger Leerstand als zur Zeit

Wirtschaftsstandort

Sicherung der Orte als Wirtschaftsstandort

Klimaschutz

Klimaschutz und Landschaftsentwicklung

Vernetzung

Stärkung überregionaler Infrastruktur und interkommunaler Kooperation