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2. Arbeitszyklus des Deutsch-Französischen Zukunftswerks (2022–2023): Ein Überblick über die sechs wichtigsten Initiativen

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Das Deutsch-Französische Zukunftswerk setzt im Rahmen seines zweiten Arbeitszyklus (2022–2023) seine Arbeit zur ökologischen Wende fort und befasst sich außerdem mit nachhaltiger Stadtentwicklung.
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Bei diesem hochaktuellen Thema geht es um neue Wege der Stadtentwicklung angesichts der großen Herausforderungen der Klimakrise, wie z.B. die Gestaltung einer nachhaltigen Energiewende, Vorbeugung von Flächenfraß oder Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Diese erfordern ein fundamentales Umdenken in der Planung des städtischen (Wohn)-Raums. Es braucht innovative Ansätze, die sowohl ökologische als auch wirtschaftliche und soziale Dimensionen berücksichtigen.

Im Sommer 2022 hat das Zukunftswerk, getreu seinem „bottom-up“-Ansatz, Kommunen ausgewählt, die als Vorreiter gelten: auf deutscher Seite Marburg (Hessen), München (Bayern) und Siegen (Nordrhein-Westfalen). Dünkirchen (Hauts-de-France), Lyon (Auvergne-Rhône-Alpes) und Pau (Nouvelle-Aquitaine) auf französischer Seite. Lyon, Marburg und München haben sich bis 2030 Klimaneutralität zum Ziel gesetzt. Außerdem sind Dunkerque, Lyon und München seit Frühjahr 2022 Preisträger des Programms der Europäischen Kommission, das bis 2030 100 klimaneutrale „Smart Cities“ hervorbringen soll. Ebenso wurden die Städte Pau und Siegen auf nationaler Ebene für ihr klimapolitisches Engagement ausgezeichnet.

Die sechs Städte spiegeln eine große Vielfalt an geografischen, sozialen und wirtschaftlichen Kontexten wider, in denen die Akteure auf kommunaler Ebene agieren – und damit auch die politischen Schwerpunkte der Stadtentwicklung. München und Lyon gehören zu den größten Städten Deutschlands und Frankreichs: Als wirtschaftliche Ballungsräume erleben beide Städte ein starkes Bevölkerungswachstum und damit einhergehende Herausforderungen. Daher fokussieren sich beide Städte auf Stadterneuerungsprogramme, die darauf abzielen, das Angebot an Sozialwohnungen und erschwinglichem Wohnraum zu verbessern sowie Grünflächen, soziale Durchmischung und Biodiversität zu erhalten oder zu schaffen– so z. B. mit Projekten am Ostbahnhof (München) und im Viertel La Confluence (Lyon).

Im Gegensatz dazu befinden sich Siegen, Dünkirchen und Pau in Gebieten, die in den letzten Jahrzehnten infolge des Abbaus der Stahlindustrie, des Schiffbaus oder der Ölindustrie Stagnation oder Bevölkerungsrückgang erfahren haben. In diesen Fällen konzentrieren sich die städtebaulichen Maßnahmen auf Revitalisierung ehemaliger Industriegebiete und der Stadtzentren. Die mittelgroße historische Stadt Marburg hingegen investiert besonders in die Entwicklung von Photovoltaikanlagen sowie in die energetische Sanierung von Gebäuden im Bestand und privatem Wohnraum.

Trotz ihrer Unterschiede stehen diese sechs Städte vor ähnlichen Herausforderungen: Wie können die in den 1960er und 1970er Jahren “autogerechten“ Räume an die heutigen Bedürfnisse angepasst werden? Wie können Stadtviertel umgestaltet und Gebäude, die zum nationalen Kulturerbe gehören, renoviert werden, um das Lebensumfeld der Bewohner:innen zu verbessern?

Die vielfältigen lokalen Lösungen sind spannende Grundlagen für einen Erfahrungsaustausch zwischen den Akteur:innen. Pau setzt auf ein wasserstoffbetriebenes Busnetz, Marburg fördert vor allem Lastenräder, Car- und Bike-Sharing-Angebote, Dünkirchen hat 2018 (sowohl aus ökologischen als auch aus sozialen Gründen) den kostenlosen öffentlichen Nahverkehr eingeführt.

Bei der Auftaktveranstaltung in Berlin vom 26. bis 28. September 2022 trafen sich die Vertreter:innen dieser lokalen Initiativen zum ersten Mal und identifizierten die Themen, auf die sie sich bei ihrem Austausch konzentrieren wollen. In den nächsten zehn Monaten wird das Deutsch-Französische Zukunftswerk zu diesen Themen Dialoge zwischen den Initiativen organisieren und nach Bedarf Expert:innen und weitere kommunale Akteur:innen hinzuziehen. Zusätzlich werden Studien durchgeführt, um die örtlichen Besonderheiten zu verstehen und sie in nationale Kontexte einzuordnen. Die aus diesen Initiativen resultierenden Erfahrungen fließen in die nächsten politischen Handlungsempfehlungen des Zukunftswerks ein, die Ende 2023 vorliegen werden.