Type d'actualité / Nachricht typ
Dialoge

Ein Jahr deutsch-französische Peer-Dialoge

État / Zustand
Eine Zwischenbilanz
Image principale / Bild
Thumbnail
Art of hosting Marburg
Légende
Foto: Deutsch-Französisches Zukunftswerk
Accroche / Aufhänger
Wie werden unsere Peer-Dialoge von den lokalen Initiativen wahrgenommen? Um uns ein besseres Bild zu machen, haben wir Gespräche mit Vertreter:innen der lokalen Initiativen geführt und die Feedback-Bögen der Peer-Dialoge ausgewertet.
Date de publication / Veröffentlichungsdatum
Februar 2022
Contenu / Inhalt
Titre de la section / Titel
Positive und konstruktive Dialoge
Texte / Text

Die ausformulierten Rückmeldungen in Textform beziehen sich in erster Linie auf die gelungene Moderation durch deutsch-französische Tandems, die Qualität der Simultanübersetzung und die Auswahl interessanter Initiativen mit Alleinstellungsmerkmal.

Aus den Rückmeldungen wird ebenfalls deutlich, dass ein deutsch-französischer Dialog mehr als nur Interesse an der Arbeit anderer Initiativen wecken kann. Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Dialogs zu lokaler Ernährungssouveränität. In der Gemeinde Nebelschütz gab es schon vor dem Dialog die Idee, eine kommunale Küche im Dorfzentrum einzurichten. Die Erzählungen aus Mouans-Sartoux haben die Idee zusätzlich beflügelt. Derzeit führt der Bürgermeister von Nebelschütz Gespräche mit gemeindeübergreifenden Partner:innen, um künftig die KiTa-Versorgung vor Ort mit selbstangebautem Gemüse und Obst zu decken.

Ann-Marie Weber, Teilnehmerin aus Marburg, war ebenfalls beeindruckt von dem Ansatz und den Ergebnissen aus Mouans-Sartoux. Sie lud daraufhin eine Vertreterin der südfranzösischen Gemeinde ein, einen Impuls-Vortrag bei einer Veranstaltung zum Thema „Ernährungsstrategien“ zu halten, den wir durch Simultanübersetzung ermöglicht haben. Dieser Impuls war ein wichtiger Beitrag, denn er hat den anwesenden politischen Vertreter:innen der Landes-, Landkreis-, und Stadtebene gezeigt, dass lokale Ernährungssouveränität möglich ist. Die Teilnehmerin aus Marburg beschrieb die Wirksamkeit der Dialoge folgendermaßen:

Témoignage / Text
„Eure deutsch-französischen Dialoge sind Inspirationsräume, die Multiplikations-Effekte auslösen.“
Auteur / Autor
Ann-Marie Weber
Poste / Stelle
Vertreterin des Ernährungsrates Marburg
Titre de la section / Titel
Ehrliche Austauschformate
Texte / Text

Grundsätzlich sollten unsere Dialoge jedoch nicht nur Best-Practice Beispielen einen Raum bieten, sondern auch dem Rahmen geben, Momente des Scheiterns und gelernte Lektionen miteinander zu teilen. In einem Dialogformat zwischen der Stadt Marburg, Konstanz und La Rochelle ging es unter anderem um die Kooperation zwischen Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft bei der Erreichung ihrer ambitionierten Klimaziele. Den Mehrwert dieser Dialogreihe beschreibt ein:e Teilnehmer:in in dem Feedback-Fragebogen wie folgt: Ich hatte stets den Eindruck, dass durch die neutrale, externe Moderation des Zukunftswerks ein sicherer Raum geschaffen wird, in dem es sehr viel leichter fällt, mal die Hand vor dem Mund wegzunehmen.“ 

Da die Rückmeldungen zeigten, dass vor allem der Austausch in kleinen Runden besonders anregend ist, haben wir vermehrt in Kleingruppen gearbeitet – in Form von sogenannten „Break-Out-Sessions“ (Gruppenarbeit in Online-Formaten) oder durch die Entscheidung, den Kreis der Teilnehmenden bewusst klein zu halten. So entstand beispielsweise ein Austauschformat zur Gestaltung der industriellen Transformation zwischen der Stabstelle Burgenlandkreis und Euraénergie Dunkerque, zu dem wir jeweils nur ein bis zwei Personen der Initiativen eingeladen haben. Ein Teilnehmer der deutschen Seite berichtete einige Tage nach dem Dialog: „Es hat gestern wahnsinnig Spaß gemacht. Seit Wochen habe ich nicht mehr so ein gutes Meeting gehabt. Lass uns auf jeden Fall das Gespräch weiterführen, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten.

Für Martine Papot aus Euraénergie (Dünkirchen), „Mit anderen in den Dialog zu treten, ist immer sinnvoll, denn es hilft, stets das große Ganze im Auge zu behalten. In Frankreich denkt man, dass in Deutschland immer alles besser ist. Doch durch den Austausch mit einem deutschen Projekt, das durchaus mit dem unseren vergleichbar ist, erkennt man, dass alle mit denselben Schwierigkeiten konfrontiert sind. Wenn man sich dessen bewusst ist, gibt das wieder Motivation.“ 
 

Témoignage / Text
„Es hat gestern wahnsinnig Spaß gemacht. Seit Wochen habe ich nicht mehr so ein gutes Meeting gehabt. Lass uns auf jeden Fall das Gespräch weiterführen, wo wir beim letzten Mal aufgehört hatten.“
Auteur / Autor
Peter Neßmann
Poste / Stelle
Leiter der Stabstelle Strukturwandel Burgenlandkreis
Texte / Text

Nicht allen Teilnehmenden scheint es von Anfang an naheliegend, Dialogpartner:innen auf der anderen Seite des Rheins zu suchen. Jedoch sind es gerade die Unterschiede der lokalen – und nationalen – Kontexte, die laut den Teilnehmenden dazu führen, dass grenzüberschreitende Dialoge eine andere Perspektive auf den eigenen Wirkungsbereich fördern.

Für Tatjana Veith, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Marburg, „Gerade im Bereich Klimaschutz ist es wichtig, das (Silo-) Denken innerhalb der nationalen Grenzen aufzuweichen. Aus den deutsch-französischen Dialogen konnten wir sehr viel mitnehmen, weil Kommunen in Frankreich teilweise andere Ansätze haben als wir. Es lohnt sich immer, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen.“ 

Im ersten Jahr der deutsch-französischen Peer-Dialoge haben wir viel gelernt, da jeder Dialog an die vielfältigen Bedürfnisse und Gesprächspartner:innen angepasst werden muss. So hatten wir die Möglichkeit, vieles auszuprobieren, und freuen uns auf alle kommenden Dialoge.