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Lassen wir uns vom Erbe einer bedeutenden Generation der Architekten Europas inspirieren

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Alfred Grosser
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Alfred Grosser
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Alfred Grosser, hier links als Preisträger des Friedenpreises des Deutschen Buchhandels, 1975 in Frankfurt/M. I Foto: Bundesarchiv, Ulrich Wienke, Creative Common Rights
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Für das Zukunftswerk ist die „Generation Grosser“ von grundlegender Bedeutung. Alfred Grosser, der im Februar 2024 verstarb, gilt als Wegbereiter des Elysée-Vertrags und der Annäherung der europäischen Gesellschaften. Frank Baasner, Co-Direktor des Zukunftswerks, erinnert an die große Persönlichkeit der deutsch-französischen Beziehungen.
Date de publication / Veröffentlichungsdatum
21.02.2024
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Von Frank Baasner
Aus dem Französischen übersetzt von Annette Kulzer

 

In letzter Zeit trauert Europa um bedeutende Persönlichkeiten, die jeweils auf ihre Weise die Entwicklung der Europäischen Union geprägt haben: Jacques Delors, Wolfgang Schäuble, Robert Badinter, um nur einige zu nennen; nicht zu vergessen auch Simone Veil, die 2017 verstorben ist, und Karl Lamers, der zusammen mit Wolfgang Schäuble ein grundlegendes Papier über Europa (1994) verfasst hat, das noch immer von erstaunlicher Aktualität ist.

Einen besonderen Platz in diesem Panorama nehmen all jene ein, die sich für die deutsch-französische Zusammenarbeit engagieren, insbesondere Alfred Grosser. Er verstarb im Alter von 99 Jahren am 8. Februar. Als unermüdlicher Vermittler zwischen unseren beiden Ländern war er bereits in jungen Jahren aktiv darum bemüht, den Dialog zwischen dem Land, in dem er 1925 geboren wurde, und dem Land, das ihn und seine Familie aufnahm, um ihnen eine Überlebenschance zu geben, zu fördern. Jeder, der durch eine enge deutsch-französische Partnerschaft ein Europa auf der Grundlage eines tiefen Humanismus aufbauen möchte, kann und sollte sich von dem bemerkenswerten Werk Alfred Grossers inspirieren lassen.

Keine Zusammenarbeit ohne gegenseitige Kenntnis und intellektuelle Anstrengung

Als ich ihn 2019 in Aachen anlässlich der Unterzeichnung des neuen Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration traf, war er sichtlich erfreut, dass seine tiefe Überzeugung Früchte getragen hatte: Ohne eine bessere gegenseitige Kenntnis der Bevölkerungen, ohne intellektuelle und menschliche Anstrengungen ist jede politische Zusammenarbeit zum Scheitern verurteilt. Eine bemerkenswerte Eigenschaft von Alfred Grosser war seine Überzeugung, dass jeder Mensch, ob Mann, ob Frau, gleich viel wert ist – wenn er im Kanzleramt in Bonn und später in Berlin, im Bundestag oder im Elysée-Palast empfangen wurde, er widmete einer Gymnasialklasse, einem Verband, einem Kulturverein oder einem Gemeinderat die gleiche Aufmerksamkeit und den gleichen Respekt.

Sein Werk – mehr als zwanzig Bücher – richtet sich an ein breites und vielfältiges Publikum. Aber er suchte vor allem den direkten Kontakt mit den Menschen, den Austausch, den Dialog und glich manchmal fast einem Prediger. Sein Ansatz basierte auf der Erkenntnis, dass Fortschritt und humanistische Zivilisation nur erreicht werden können, wenn man die Unterschiede zwischen Individuen, Gruppen oder Ländern versteht, erklärt und akzeptiert. Vertrauen wird durch direkten Austausch und gegenseitiges Zuhören aufgebaut. Nichts ist selbstverständlich, die deutsch-französische Zusammenarbeit ist keine Selbstverständlichkeit – dies ist eine der Lektionen, die wir aus dem Vermächtnis von Alfred Grosser ziehen können.

Für das Deutsch-Französische Zukunftswerk, das mit dem Aachener Vertrag ins Leben gerufen wurde, ist das Erbe der „Generation Grosser“ von grundlegender Bedeutung. Ohne diese mutigen und visionären Wegbereiter könnten wir heute nicht vertrauensvoll und respektvoll zusammenarbeiten, um gemeinsam die vor uns liegenden Herausforderungen zu meistern. In Partnerschaft mit zahlreichen Akteuren, die sich für die Annäherung der europäischen Gesellschaften einsetzen, leistet das Zukunftswerk seinen Beitrag zu dem bereits weitreichenden, aber nie ganz vollendeten Bauwerk der Zusammenarbeit – oder sogar der Integration, wie es der Aachener Vertrag verspricht – zwischen Deutschland und Frankreich.