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Resonanzraum in Metz legt Grundstein für Handlungsempfehlungen

État / Zustand
Aufbruch zur Energiewende
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Eine Menschengruppe steht auf einem Platz.
Légende
Fast 80 Expert:innen und Praktiker:innen aus Deutschland und Frankreich trafen sich zum interdisziplinären Workshop in Metz. | Foto: Thierry Marro
Accroche / Aufhänger
Am 21. und 22. März 2024 versammelten sich fast 80 Expert:innen und Praktiker:innen im französischen Metz, um die Grundlagen für die Handlungsempfehlungen des Zukunftswerks zur kommunalen Energie- und Wärmewende zu schaffen. Lokale, nationale und europäische Perspektiven tragen dazu bei, konkrete Maßnahmen und förderliche Rahmenbedingungen zu identifizieren. Die ersten Erkenntnisse aus dem Dialog fasst Nicolas Geffroy zusammen.
Date de publication / Veröffentlichungsdatum
21.05.2024
Contenu / Inhalt
Témoignage / Text
„Die Inspiration liegt in der Betrachtung der unterschiedlichen Ansätze und Rahmenbedingungen in beiden Ländern – und natürlich in den Gemeinsamkeiten, dem gemeinsamen Erreichen des gemeinsamen Ziels.“
Auteur / Autor
Teilnehmerin des Resonanzraums in Metz
Texte / Text

Von Nicolas Geffroy
 

Bei welchen Punkten herrscht in Deutschland und Frankreich nun aber Einigkeit? Und welche Unterschiede machen auf Potenziale aufmerksam?

Beide Länder sind sich einig, dass ein tieferes Verständnis und eine größere Sensibilisierung sowohl von Fachleuten als auch von der breiten Bevölkerung nötig sind, damit die Energie- und Wärmewende gelingen kann. Gemeinsamkeiten zeigten sich auch bei den Energiesparmaßnahmen, die in beiden Ländern während der Energiekrise umgesetzt wurden – wobei Frankreich im Gegensatz zu Deutschland das Thema Energiesparen durch Suffizienz längerfristig als wichtigen Bestandteil seiner Dekarbonisierungsstrategie verankert hat.

Diese Diskussionen waren ein wichtiger Impuls für die Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Suffizienz befasste und die langfristige Schaffung von Rahmenbedingungen für ressourcenschonendes Verhalten diskutierte. Bestehende Maßnahmen zur Energieeinsparung zielen oft auf individuelle Verhaltensänderungen ab und vernachlässigen strukturelle Aspekte.

Energy Sharing, Gebäudekataster und Reduzierung der Mehrwertsteuer – interessante Facetten des deutsch-französischen Vergleichs

Im Bereich der Gebäudesanierung besteht eine der größten Herausforderungen darin, auf lokaler Ebene mit den sich ständig ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen und Förderbedingungen umzugehen. Mit Blick auf solche rechtlichen Rahmenbedingungen im Strombereich stieß die Umsetzung von Energy Sharing in Frankreich auf besonderes Interesse der deutschen Teilnehmenden. UEM (Usine d'électricité de Metz), Stromerzeugerin und -lieferantin für die Stadt Metz und 141 umliegende Gemeinden, stellte an einem lokalen Beispiel aus der Eurométropole de Metz vor, wie Energy Sharing gelingen kann. Das partizipative Energiekonzept schafft den Marktrahmen, um gemeinschaftlich erzeugten regenerativen Strom über ein regionales Verteilnetz kostengünstig zu verbrauchen. Dieser gesetzliche Rahmen existiert in Deutschland noch nicht, soll aber in Kürze durch EU-Richtlinien ermöglicht werden.

Viele Beispiele aus Frankreich können auf deutscher Seite inspirieren – zum Beispiel, wenn es um effizientere und nachhaltigere Wärmenetze geht. Dabei stehen verschiedene Betreibermodelle im Fokus. Besonders interessant war für die deutschen Teilnehmer:innen die Entscheidung in Frankreich, die Mehrwertsteuer auf Wärme in Wärmenetzen von 20 % auf 5,5 % zu senken, wenn sie zu mindestens 50 % aus erneuerbaren Quellen und unvermeidbarer Abwärme stammt. Dies könnte ein möglicher Beschleunigungsfaktor für nachhaltige Wärmenetze sein.

Des Weiteren wurde in einer anderen Diskussionsgruppe die rechtliche Definition von Agri-PV (Agrar-Photovoltaik) und die erleichterte Installation von Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen als inspirierende Maßnahme für Deutschland identifiziert. Auch stieß die Existenz eines nationalen Gebäudekatasters in Frankreich, das die privaten Eigentümer:innenstrukturen analysiert, bei deutschen Expert:innen auf großes Interesse. Diese hatten bereits ähnliche Strukturen gefordert und sehen darin einen wichtigen Schritt für die Gebäudesanierung.

Austausch in Metz eröffnet den weiteren Dialog

Neben der inhaltlichen Arbeit standen das gegenseitige Kennenlernen und der informelle Austausch im Mittelpunkt des Treffens in Metz. „Ich habe tolle Leute kennengelernt und mein Netzwerk erweitert“, so eine Teilnehmerin der Resonanzräume.

Nach zwei inspirierenden Tagen verließen die Teilnehmenden das Kongresszentrum und bestiegen am historischen Bahnhof den Zug in Richtung beider Länder. Wir hoffen, dass sie die Anregungen mit in ihre tägliche Arbeit nehmen! Der konstruktive Austausch wird bis zum Herbst fortgesetzt, bevor im Dezember die politischen Handlungsempfehlungen des Zukunftswerks veröffentlicht werden.