Öffentliche Räume sozial-ökologisch aufwerten

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Das Ufer der Seine mit Menschen, die unter roten und weißen Sonnenschirmen sitzen
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Foto: Samantha Ohlsen | Wo einst täglich über 40.000 Autos entlang rasten, flanieren heute Fußgänger im 'Parc Rives de Seine', einer 7-Kilometer-Strecke am rechten Ufer der Seine.
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Um die Zersiedelung der Städte und Gemeinden einzugrenzen, müssen diese sich nach innen entwickeln. Die Verdichtung nach innen darf aber nicht auf Kosten der öffentlichen Räume gehen.
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Denn öffentliche Räume stellen im besten Fall Freiräume dar, die einen wesentlichen Beitrag leisten für die Lebensqualität, den sozialen Zusammenhalt, Klimaschutz und -anpassung sowie eine Akzeptanz der Verdichtungsmaßnahmen.

Kommunen können diese scheinbar konkurrierenden Ziele in Einklang bringen, indem sie kaum oder einseitig genutzte Flächen im öffentlichen Raum aufwerten. Die Aufwertung und Entwicklung vorhandener öffentlicher Räume – im Regelfall ohnehin im kommunalen Eigentum – bildet einen zentralen Hebel, um innerstädtische Freiräume zu erhalten und gemeinwohlorientiert zu entwickeln.

Die Öffnung von Schulhöfen nach dem Schulbetrieb, temporär verkehrsberuhigte Spielstraßen wie die Sommerstraßen in München oder „Rues aux enfants“ (dt.: „Straßen für die Kinder“) in Frankreich, offene Gemeinschaftsgärten… In Deutschland wie in Frankreich gibt es zahlreiche Initiativen, um den öffentlichen Raum zugänglicher, grüner und gemeinschaftlicher zu gestalten.

Das Deutsch-Französische Zukunftswerk empfiehlt beiden Ländern, kommunale Ansätze zu unterstützen und begleiten, die öffentliche Räume aufwerten und für neue Nutzungen im Rahmen der sozial-ökologischen Transformation aufwerten.

 

Schlüsselbegriff: Freiräume

Als Freiräume bezeichnen wir – begrünte sowie versiegelte – unbebaute Flächen im öffentlichen Raum, die offen für Mehrfachnutzungen durch Menschen sind. Dies können Gärten, Parks, Plätze, aber auch Fußgängerzonen, Bürgersteige, Uferbereiche, Sportplätze, Brachflächen und andere urbane Zwischenräume sein.

Accordéons
Titel
Potenzialanalysen für öffentliche Räume fördern
Description / beschreibung

Oftmals mangelt es gerade in Mittel- und Großstädten an Daten wie öffentliche Räume tatsächlich genutzt werden. Deshalb sollten Frankreich und Deutschland auf nationaler und regionaler bzw. Länderebene lokale Analysen zur Aufwertung öffentlicher Räume fordern und fördern, welche Nutzungspotenziale bislang einseitig, wenig oder ungenutzter öffentlicher Räume aufzeigen. Solche Erhebungen dienen Kommunen als Entscheidungshilfe und zeigen Möglichkeiten auf, wie öffentliche Räumen im Sinne des Gemeinwohls und der sozial-ökologischen Transformation entwickelt werden können.

Mit einer Freiraumstudie hat die Stadt München die Nutzung ihrer öffentlichen Parks, Plätze und Straßen in den Blick genommen. Potenzial für eine Qualifizierung haben laut der Studie u.a. Friedhöfe und Schulaußenbereiche. Mehr Infos siehe Rubrik Erfahrungen und Impulse.

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Kommunen, Stadtentwicklung und -planung fachlich begleiten
Description / beschreibung

Um eine zeitliche und funktionale Mehrfachnutzung öffentlicher Räume zu ermöglichen, braucht es neue fachliche Kompetenzen. Die Kommunen sollten deshalb in Deutschland von Kompetenzzentren auf Regional- oder Landesebene, in Frankreichin Frankreich auch von nationalen Kompetenzstellen wie der Cerema begleitet und beraten werden. Diese könnten Erfahrungswerte bündeln und helfen, Ansätze für Mehrfachnutzung zu entwickeln, die sich bewährt haben und lokal angepasst sind.

Titel
Zivilgesellschaftliche Erschließung öffentlicher Räume stärken
Description / beschreibung

Öffentliche Räume werden häufig aus der Zivilgesellschaft heraus erschlossen oder wiederbelebt. Eine langfristige Zusammenarbeit der Kommunen mit solchen zivilgesellschaftlichen Initiativen fördert die Aneignung und Gestaltung der öffentlichen Räume durch und im Sinne der Bürger:innen sowie ihr langfristiges Funktionieren. Damit Initiativen nachhaltig dazu beitragen können, Freiräume zu erhalten und Nutzungskonflikte zu verhandeln müssen sie durch langjährige Förderprogramme in Deutschland und Frankreich unterstützt werden.

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Erfahrungen und Impulse

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Menschen in einem Park
Freiraumstudie München
Description / Beschreibung

Die Freiraumstudie der Stadt München zeigt, dass wohnungsnahe gemeinwohlorientierte Freiräume wie der Grünspitz in München für viele Menschen wichtig sind. 68 Prozent der befragten Münchner:innen nutzen Freiräume in ihrem eigenen Viertel mehrfach pro Woche, während der Grüngürtel am Standrand nur von 10 Prozent der Befragten häufig genutzt wird. In dicht besiedelten Städten wie München, deren Bevölkerung wächst und die einen steigenden Bedarf an Wohnraum haben, ist somit eine erfolgreiche dreifache Innenentwicklung notwendig, die Anforderungen an Wohn-, Frei- und Mobilitätsraum berücksichtigt.

Mehr zur Freiraumstudie hier.

 

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Flohmarkt im Freien
Zivilgesellschaft trifft Freifläche
Description / Beschreibung

Grüne Oase, sozialer und kultureller Treffpunkt – mitten im dicht bebauten Münchner Stadtteil Obergiesing befindet sich der Grünspitz. Zwischen großen, alten Kastanienbäumen bietet der Platz eine einladende bunte Bestuhlung, Hochbeete und einen kleinen Kiosk. Viele Menschen schätzen den Ort, ob Familien oder die Fußballfans von 1860 München, dessen Stadion nur unweit gelegen ist. „Der Grünspitz ist ein Ort für alle. Auch für Menschen in prekären Lagen, die sonst keinen Aufenthaltsort in der Stadt finden. Das ist die Qualität des Platzes“, erzählt Christina Pirner, die für den Verein Green City e.V. arbeitet. Der Verein hat die Fläche von der Stadt gepachtet und koordiniert die Gartenprojekte, Kulturveranstaltungen und die Reinhaltung des Platzes. Die Zwischennutzung wurde durch die Partnerschaft von Stadtverwaltung und dem Verein Green City e.V. möglich. Der gemeinwohlorientierte Freiraum soll nun dauerhaft gesichert werden.

Mehr über die Inwertsetzung des Grünspitz hier.

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Jugendliche sitzen auf dem Boden vor einem Krichenfenster
Den Beat der Kommunen finden
Description / Beschreibung

Um die Ressourcen suffizienter einzusetzen und im Sinne nachhaltiger Stadtplanung einzusetzen, hat die Metropole Lille im Jahr 2015 ein Bureau des temps (deutsch: Büro für Zeit) eingerichtet. Seine Aufgabe besteht darin, die zeitliche Organisation und Nutzung öffentlicher oder privater Einrichtungen zu hinterfragen und zu optimieren. Ziel ist es, durch eine multifunktionale Nutzung flächensparsame Strukturen aufzubauen, und so das Siedlungswachstum zu begrenzen. Das Büro soll dabei insbesondere auch eine bessere Nutzung von Gebäuden, Einrichtungen oder Räumen fördern, zeitlich verteilt je nach Tageszeit, Wochentag oder Jahreszeit.

Die Aktion „Libre cour, libre jardin“ (deutsch: Offener Hof, offener Garten)

Im Sommer 2023 hat die Metropole die Optimierung von Freiflächen erprobt. Das Ziel des Projekts war es, den Bürger:innen Zugang zu üblicherweise nicht zugänglichen Schulhöfen und Gärten zu ermöglichen, um dort angesiedelten Grüninseln, Spiel- und Erholungsbereiche zu genießen.

Dazu unterstützte die Metropole Gemeinden bei der Diversifizierung der Nutzung und Optimierung ihrer Freiflächen. Für Projekte in drei Schulhöfen und zwei Gärten bot das Büro fachliche Unterstützung (bei der Organisation, Kommunikation und Evaluation) sowie Mediation an. Eine Gelegenheit für die Bewohner:innen, den Schatten großer Bäume zu genießen und Gemüsegärten, Sport- und Spielplätze zu entdecken, auch als angenehme Kühloasen an besonders heißen Tagen zu entdecken!

Weitere Informationen finden Sie (in französischer Sprache) unter Bureau des temps.

 

Nom
Politische Handlungsempfehlung 3 − Öffentliche Räume sozial-ökologisch aufwerten
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